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Dokumentation:

Der Niger und die Congo-Konferenz in Berlin;

französich-chinesische Konfrontation

Freiburger Zeitung, 24.10.1884, 1. Blatt 1. Seite

Nur mit Vorbehalt hat England die Einladung zur Congoconferenz angenommen. Es bezieht sich dieser Vorbehalt in erster Linie auf den Niger, von dem die „Times“ mit lobenswerther Offenheit erklärte, daß sein Gebiet zu reich sei, als daß England es einer internationalen Aufsicht überlassen könnte. Weniger treuherzig und naiv spricht die Daily News denselben eigensüchtigen Gedankengang aus. Beide Blätter lassen ihren Aerger darüber durchblicken, daß England den Niger nicht einfach in die Tasche gesteckt hat.

Abgesehen davon, schreibt man der „Köln Ztg.“, daß es für Europa von Wichtigkeit ist, den gewaltigen Strom allen Völkern unbedingt offen zu halten, kreuzen sich am Niger besonders englische und französische Interessen. England hat das Stromgebiet von unten, Frankreich von oben angebrochen. Vom Senegal aus ist im vorigen Jahre der französische Oberst Desbordes an den oberen Niger vorgedrungen und hat an demselben ein Fort errichtet; Kanonenboote sollen dort den Sicherheitsdienst übernehmen. Vom untern Niger hat England den französischen Handel so ziemlich verdrängt, etwa 16,000 Kilometer trennen zur Zeit die beiderseitigen Interessenkreise; dennoch wird es im Interesse des Friedens gut sein, die Rechte und Pflichten gütlich auseinanderzusetzen. Auch sehen wir keinen Grund, weshalb Frankreich überall auf der Welt vor England die Segel streichen soll, vorausgesetzt, daß Frankreich sich loyal und ohne Hintergrundgedanken der continentalen Verständigung anschließt, welche die Macht hat, Englands unberechtigte Ansprüche zurückzuweisen.

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Frankreich. Paris, 22. Oct. Die Abendblätter bezweifeln die Richtigkeit der an der Börse verbreiteten Nachricht von einer Vermittlung Englands zwischen Frankreich und China. – „Paris“ meldet officiös, die Regierung wolle die 15,000 Mann starke Armee in Tonkin durch weitere 10,000 verstärken; davon sind 7000 für Briere und 3000 für Tourbet bestimmt. – Ferry erklärte einer Deputation agrikoler Schutzzöllner, er werde die Wirkung der Erhöhung des Zuckerzolles und des Viehzolles abwarten, ehe er zu einer Erhöhung des Getreidezolles schreite. – Vor der Commission des Senats erklärte der Conseilspräsident, daß er in die gänzliche Abschaffung der Unabsetzbarkeit der Richter einwilligte. („Fr. Ztg.“)

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Manchester, 22. Oct. Stanley hielt vor einer zahlreichen Versammlung eine längere Rede über die Mittel zur Eröffnung eines bedeutenden Handels am Congo. Er erklärte, daß in Bezug hierauf unmöglich erscheine, einem einzelnen Staat wie Portugal die Aneignung der Souveränität am Congo zu gestatten. Stanley empfahl, es der internationalen Gesellschaft zu überlassen, als Hüterin des internationalen Rechts und freien Verkehrs aufzutreten.

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