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* Dieser Artikel ist erschienen in: analyse & kritik - Zeitung für linke Debatte und Praxis / Nr. 421 / 17.12.1998

Der Autor arbeitet in der Geschäftsstelle des Bundeskongresses entwicklungspolitischer Aktionsgruppen (BUKO). In seiner Freizeit wandelt er auf den Spuren der Hamburger Kolonialgeschichte.
Der Beitrag ist dem Buch "Bibel, Branntwein und Bananen - Spurensuche der Kolonialgeschichte Hamburgs" entnommen, das im Verlag Libertäre Assoziation erschienen ist.

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siehe auch zu Lettow-Vorbeck die Rezension von:

Uwe Schulte-Varendorff: Kolonialheld für Kaiser und Führer – General Lettow-Vorbeck (2006) Mehr

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Flugschrift: Unter dem Titel „Der Mythos Paul von Lettow-Vorbeck“ setzt sich ein Autorenteam der „Aktion 3.Welt Saar“ 2007 kritisch mit dem Saarlouiser Ehrenbürger auseinander:  Download als PDF (2 MB)

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Die Preußen Afrikas - Lettow-Vorbeck und die Pflege kolonialer Traditionen

von Heiko Möhle *

Herbst 1988. Vor dem "Ehrenmal der Schutztruppe in Deutsch-Ostafrika" präsentieren junge Soldaten das Gewehr. Die Bundeswehr heißt Veteranen von Hitlers Afrikakorps zu ihrem Bundestreffen in der Lettow-Vorbeck-Kaserne in Hamburg-Wandsbek willkommen.

Nicht zum ersten Mal wurde der mit Reichsadler und Eisernen Kreuzen geschmückte, phallische Säulenbau des Ehrenmals zum Wallfahrtsort für jene, die einst mit der Waffe in der Hand für Deutschlands Größe in Afrika fochten. Seit 1937 wurde in der Wandsbeker Kaserne die Tradition der "deutschen Schutz- und Überseetruppen" gepflegt, erst von Hitlers Wehrmacht, dann von der Bundeswehr. Die Bundeswehr taufte das Gelände auf den Namen "Lettow-Vorbeck-Kaserne" - Ausdruck eines ungebrochenen Verhältnisses zur Vergangenheit ihrer Vorgängerorganisationen.

General Paul von Lettow-Vorbeck wurde bereits zu Lebzeiten zum Mythos. Unter dem Kommando des "Helden von Afrika" kämpfte die Schutztruppe bis zum Ende des Ersten Weltkriegs gegen das ostafrikanische Expeditionskorps der Engländer. Doch was verbindet den Namen Lettow-Vorbeck mit Hamburg?

Der Erste Weltkrieg in den Kolonien

Als der Erste Weltkrieg im August 1914 begann, stand bereits fest, daß über die künftige Verteilung des Kolonialbesitzes auf europischen Schlachtfeldern, nicht in den Kolonien entschieden wrde. Afrika mit seinen schwachen Armeen, die für die Aufstandsbekämpfung, nicht aber für grenzberschreitende Großeinstze gerüstet waren, blieb ein Nebenkriegsschauplatz. Togo fiel bereits im August 1914 in britische und französische Hände. Die deutschen Truppen in Sdwestafrika kapitulierten im Juli 1915 in Khorab bei Otavi, während die letzten Einheiten in Kamerun erst im Februar 1916 aufgaben. Allein in Ostafrika zogen sich die Kmpfe bis 1918 hin. 3.000 Deutsche und 12.000 afrikanische Askaris standen einem britisch-indisch-südafrikanischen Kontingent von zeitweise 98.000 Mann gegenüber. Paul von Lettow-Vorbeck, der deutsche Kommandeur, war ein erfahrener Kolonialkrieger. Der Sproß einer alten preuischen Offiziersfamilie hatte 1900 an der Niederschlagung des Boxeraufstands in China teilgenommen und war als Adjutant von Generalleutnant Trotha an der Vernichtung der Herero in Deutsch-Südwestafrika beteiligt gewesen. Lettow-Vorbecks Rückzugsgefechte gegen die alliierte Übermacht verwandelten große Teile Ostafrikas in ein Schlachtfeld. Allein die britischen Truppen hatten 10.000 Tote zu beklagen, die belgischen Einheiten verloren 1.980, die portugiesischen 1.730 und die deutschen 2.530 Soldaten. Weit höher waren die Verluste unter den "nicht kämpfenden Eingeborenen". 100.000 afrikanische Hilfstruppen und Träger kamen während des Krieges um. Meist wurden sie Opfer von Typhus, Malaria oder Lungenentzündung, die sich epidemisch ausbreiteten. Am stärksten aber war die Zivilbevlkerung betroffen. Plünderungen und die von beiden Seiten betriebene "Politik der verbrannten Erde" führten zu Hungersnöten, eine aus Europa eingeschleppte Grippe forderte 50.000 bis 80.000 Menschenleben. Am Ende hatte der Durchhaltekrieg der Schutztruppe nach Schätzungen einer halben Million Menschen den Tod gebracht.

Im November 1918 kapitulierte die deutsche Heeresführung, und auch Lettow-Vorbeck, der mit seiner auf 1.300 Mann zusammengeschmolzenen Truppe nach Nordrhodesien geflohen war, mußte am 14. November 1918 die Waffen strecken. Am 2. März 1919 zogen die Reste seiner "Ostafrikaner" durch das Brandenburger Tor in Berlin ein, von einer begeisterten Menge gefeiert, als wären sie die eigentlichen Sieger des Krieges. Auf Lettow-Vorbeck warteten indes neue Aufgaben. Als im Juni desselben Jahres in Hamburg ein Arbeiteraufstand unter kommunistischer Führung ausbrach, marschierte Lettow-Vorbeck an der Spitze einer Reichswehrdivision mit 10.000 Mann, 30 Geschützen, untersttzt von einem Panzerzug und einer Torpedobootsflottille, in die Hansestadt ein. Obwohl es kaum Widerstand gab, verhielt sich sein Korps wie eine Besatzungstruppe. Passanten, die die Straßen nicht schnell genug räumen konnten, wurden ebenso niedergeschossen wie zwei Abgeordnete der USPD, die das Verhalten der Truppen in der Bürgerschaft angeprangert hatten. Auf dem Dach des Rathauses ließ Lettow-Vorbeck die schwarz-weiß-rote Fahne hissen. Seine Offiziere gingen daran, die Hamburger Polizei- und Sicherheitskrfte zu reorganisieren. Aus Angehörigen des ostafrikanischen Schutztruppenregiments und weiteren Freiwilligen des Korps wurde eine militärisch bewaffnete und kasernierte Sicherheitspolizei gebildet.

Ein Held kehrt zurück

Als am 13. März 1920 ultrarechte Militrs in Berlin einen Staatsstreich gegen die Reichsregierung, den "Kapp-Putsch", unternahmen, traten Lettow-Vorbeck und andere hohe Offiziere der Sicherheitspolizei sofort ins Lager der Putschisten über. Lettow-Vorbeck zog nach Mecklenburg, um dort für "Ruhe und Ordnung" zu sorgen. Kampferprobte Verbände aus dem Baltikum sorgten dafür, daß "die Störungen durch linksradikale Elemente schnell beseitigt" wurden. Der Kapp-Putsch scheiterte schließlich jedoch am breiten Widerstand der organisierten Arbeiterschaft, die in den Generalstreik getreten war, und an der Loyalität von Teilen der Reichswehr gegenüber der Regierung.

Lettow-Vorbeck wurde im Sommer 1920 wegen seiner Beteiligung am Putsch aus der Armee entlassen. Doch damit verschwand er keineswegs von der Bildfläche. In den folgenden Jahren widmete er sich dem Kampf gegen die "Kolonialschuldlüge" und dem Aufbau einer kolonialrevisionistischen Bewegung, die die Rückgabe der deutschen "Schutzgebiete" forderte. In Vortragsreisen und Büchern, darunter das berühmte "Heia Safari" (Leipzig 1919), sponn er weiter an der Legende vom Heldenkampf der Deutschen und von der bedingungslosen Treue der schwarzen Askaris in Ostafrika. Im Juli 1932 weihte Lettow-Vorbeck den "Elefanten", das Kolonialehrenmal der Deutschen Kolonialgesellschaft, in Bremen ein. In seiner Laudatio machte er deutlich, daß ihm eine Wiedergewinnung der Kolonien nur durch konsequente Machtpolitik möglich erschien: "Es sind Illusionen, wenn wir glauben, Kolonien wieder zu erlangen, ohne das Fundament der Macht, mag der Rechtsanspruch noch so begründet sein. Und so liegt der erste Schritt zum Wiedererwerb unserer Kolonien nicht drüben, irgendwo jenseits der Meere, er muß getan werden zu Hause, in der Heimat. Hier gilt es, Macht zu schaffen, und Macht entsteht durch Zusammenfassen von Kraft."

Der General und die Nazis

Lettow-Vorbeck brauchte nicht lange auf die Verwirklichung seiner Vorstellungen zu warten. Die Nationalsozialisten machten sich die Forderungen der Kolonialbewegung zu eigen. Wie alle anderen gesellschaftlichen Bereiche wurde auch die zersplitterte Kolonialbewegung "gleichgeschaltet" und zum "Reichskolonialbund" zusammengefaßt. An der Aufgabe, "Macht zu schaffen", wurde vor allem auf militärischem Gebiet gearbeitet - die Umbenennung der Reichswehr in "Wehrmacht" spricht für sich. Neue Eroberungszüge wurden geplant und neue Truppen aufgestellt.

Dem 1935 gebildeten Infanterie-Regiment 69 in Harburg und Wandsbek wurde im Februar 1937 feierlich die "Tradition der Schutztruppen für Kamerun und Deutsch-Ostafrika" durch ihren letzten Kommandeur, General von Lettow-Vorbeck, übergeben. Der Kampf der kaiserlichen Schutztruppe sollte dem jungen Regiment ein leuchtendes Vorbild sein. Oberst v. Briesen, der Regimentskommandeur: "Die Ehre ist in Zukunft auch unsere Ehre. Mit Leib und Leben haften wir dafür in Frieden und Krieg. Daß nicht in jungen Händen die alte Ehre bricht, dafür werden wir einzustehen haben auf dem Schlachtfelde. Und immer, wenn uns das Herz höher schlägt bei den Taten unserer soldatischen Ahnen, so soll handgreiflich die Mahnung uns vor Augen stehen: So sollst du handeln, Soldat vom Regiment 69!"

Der Monarchist Lettow-Vorbeck hatte sich schnell mit den Nazi-Machthabern angefreundet. Aus den Restbeständen seiner Schutztruppe wurde die SA mit ihren ersten Braunhemden ausgestattet. In groß aufgezogenen Kundgebungen warb der General für die Kolonialbewegung und beteiligte sich an der ideologischen Mobilmachung für den nächsten Krieg. Anlässe in Hamburg fanden sich in der jährlich im November abgehaltenen Tanga-Feier zu Ehren des größten deutschen Sieges im Ostafrika-Feldzug, dem 4. Reichstreffen der "Deutsch-Ostafrikaner" und der Enthüllung kolonialmilitärischer Denkmler.

Im Mai 1935 erhielt das Denkmal des "Kolonialhelden" Wissmann im Garten der Universität Gesellschaft durch ein Denkmal des "Kameruner" Schutztruppenoffiziers Dominik. In Aumühle am Sachsenwald entstand am Rande der fürstlichen Besitzungen der mit Lettow-Vorbeck gut befreundeten Bismarck-Familie ein "Ostafrikaner"-Denkmal. Das Sandstein-Trio mit der lapidaren Aufschrift "Deutsch-Ostafrika 1914-18" zeigt den General mit einem treuen Askari an seiner Seite und einem erschöpften Krieger zu seinen Füßen. Heute steht das Denkmal etwas verloren vor dem Komposthaufen des Hotels "Waldesruh". Lettow-Vorbeck selbst weihte im August 1939 gemeinsam mit prominenten Nationalsozialisten das Schutztruppen-Denkmal in Wandsbek ein.

"Afrikaner" von adligem Geblüt

Wenige Monate nach der Einweihung des Schutztruppen-Denkmals zogen die "69er" in den Krieg. Zwei Söhne Lettow-Vorbecks, die beide ihre Offizierslaufbahn in der Wandsbeker Garnison begonnen hatten, fielen in Rußland bzw. Frankreich.

Zu diesem Zeitpunkt stand ein anderer "Afrikaner" von adligem Geblüt noch ganz am Anfang seiner Karriere. Der junge Wehrmachtsoffizier Kai-Uwe von Hassel war 1941 damit beschftigt, in Erwartung des deutschen Endsieges und "im Hinblick auf eine koloniale Neuordnung" ein Arbeitsheft der Suahelisprache für den Gebrauch der üknftigen Kolonial-Wehrmacht zu verfassen. Von Hassel, 1913 in Deutsch-Ostafrika als Sohn eines Pflanzers und Kolonialoffiziers geboren, hatte sich nach dem Verlust der Kolonie im Ersten Weltkrieg mit seiner Familie in Glücksburg an der Flensburger Förde niedergelassen. 1935 kehrte er in das inzwischen britische "Tanganjika" zurück, um einen Pflanzungsbetrieb zu leiten, wurde aber bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs interniert und 1940 ein zweites Mal nach Deutschland "repatriiert", wo er in eine "Dolmetscher-Lehrkompanie" der Wehrmacht eintrat. Dort existierten bereits detaillierte Pläne für die Militärverwaltung eines immens erweiterten deutsch-afrikanischen Kolonialreichs. "Im Sommer 1941", schreibt der Historiker Klaus Hildebrand, "als Hitlers Offensive im Kaukasus und dem Unterlauf der Wolga und der Vorstoß Rommels nach Ägypten die deutschen Siegesaussichten noch einmal in hellem Licht erscheinen ließen, ... gewann man den Eindruck, daß ... von der Verwaltung der künftigen Kolonien bis zum kolonialen Transportproblem, von der ,Einführung technischer Fachausdrücke in Suaheli` bis zu einer ,Gesundheitsfibel für Eingeborene` alles vorbereitet war, um für den Tag gerüstet zu sein, da der ,Führer` den Schritt nach Afrika tun werde." Die Kapitulation der Wehrmacht bei Stalingrad und die Niederlage des deutschen "Afrikakorps" bei Tunis 1943 markierten jedoch den Wendepunkt im Kriegsgeschehen. Der Traum vom deutschen Reich in Afrika war ausgeträumt.

Lettow-Vorbeck verbrachte den Krieg im schleswig-holsteinischen Waterneversdorf auf dem Gut des Grafen Waldersee, dessen Vater 1900 sein Oberbefehlshaber im China-Feldzug gewesen war - Adel verpflichtet. 1952 siedelte der alternde General mit seiner Frau nach Hamburg über. "In Hamburg lebten viele alte Ostafrikaner, und wir Ostafrikaner halten wie die Kletten zusammen ... Dazu kam, daß Hamburg mein Verhalten zur Zeit der Spartakusunruhen besonders dankbar anerkannt hatte."

Als der verehrte Haudegen 1964 starb, wurde er auf dem holsteinischen Gut Pronstorf, wo seine Tochter als Gattin des Grafen Christian Graf zu Rantzau lebte, unter militrischen Ehren beigesetzt. Adel verpflichtet: Die Grabrede hielt Kai-Uwe von Hassel, inzwischen zum Bundesverteidigungsminister avanciert. Nach 1945 hatte der "Preue aus Ostafrika" in der Politik Karriere als schleswig-holsteinischer Ministerprsident, Bundesverteidigungsminister und Bundesvertriebenenminister gemacht und es bis zum Bundestagspräsidenten gebracht. Nebenbei entwickelte er sich zum Aushängeschild der rechten deutschen Afrikaszene. Im Zuge der bevorstehenden Unabhngigkeit Namibias engagierte sich v. Hassel als Vorstandsmitglied der "Deutsch-Namibischen-Entwicklungsgesellschaft e.V.", der "Deutschen Afrika Stiftung e.V." und des Komitees "Freiheit für Namibia" für die von Sdafrika unterstützte "Demokratische Turnhallenallianz" (DTA) und gegen die Befreiungsbewegung SWAPO. Bis vor einigen Jahren fungierte er als Aufsichtsratsvorsitzender der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft (DOAG), einer ausgesprochenen kolonialen Altlast. Die DOAG wurde 1885 gegründet, um die Kolonialeroberungen von Carl Peters in Ostafrika zu verwalten. Seit 1933 war sie aufs Engste mit der NSDAP liiert. In einer Festschrift der DOAG sprach sich v. Hassel noch 1984 gegen eine allzu schnelle Einführung der Demokratie in Afrika aus.

Die Bundeswehr und Afrika

Deutsches Militär blieb auch nach dem Zweiten Weltkrieg unter v. Hassel und seinen Nachfolgern in Afrika präsent. In den Blütezeiten des Kalten Krieges konkurrierte die Bundesrepublik mit der DDR um die Gunst der gerade unabhängig gewordenen afrikanischen Staaten. Bis 1970 wurden 15 afrikanische Länder aus Altbeständen der Bundeswehr mit Rüstungsgütern beliefert. Der größte Posten bundesdeutscher "Ausrüstungshilfe" nach Afrika kam allerdings Portugal zugute, das damit die Befreiungsbewegungen in seinen überseeprovinzen Angola, Mosambik und Guinea bekämpfte.

Das zweite Standbein bundesdeutscher Militrpärsenz in Afrika bildete neben der "Ausrüstungshilfe" die "Ausbildungshilfe". Militärberater wurden entsandt, ein deutscher Oberstleutnant fungierte sogar zeitweilig als Oberbefehlshaber der nigerianischen Luftwaffe. In der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg-Blankenese bildet die Bundeswehr noch heute nicht nur die eigene "Elite" aus, sondern auch Offiziere aus zahlreichen Ländern der "Dritten Welt", darunter eine ganze Reihe von Militärdiktaturen.

In der Wandsbeker Lettow-Vorbeck-Kaserne führte die Bundeswehr unterdessen gemeinsam mit dem "Traditionsverband des Deutschen Afrika-Korps e.V." die Denkmals- und Traditionspflege weiter, seit der letzte Schutztruppen-Veteran 1988 im Alter von 100 Jahren verstorben war. 1965 - zur Amtszeit v. Hassels - bekamen die "in Nord-Afrika gefallenen Kameraden des deutschen Afrika-Korps" ihre eigene Gedenktafel am Schutztruppen-Denkmal. Allmonatlich hielten die Wüstenkrieger ihren Kameradschaftsabend im Offizierskasino der Lettow-Vorbeck-Kaserne ab.

Schutztruppe, Afrika-Korps, Bundeswehr - eine große Familie? Oberstleutnant Jörg Walter, Kommandeur des Instandsetzungsbataillons 6, das die Wandsbeker Kaserne bezogen hatte, sah das ganz ähnlich wie sein Vorgänger v. Briesen rund 50 Jahre zuvor. Walter 1988 vor dem Bundestreffen des Afrika-Korps in der Lettow-Vorbeck-Kaserne: "Es gibt da keine Trennung für Soldaten nach Generationen, Orten oder Zeiten, wenn es um den Tod in Erfüllung des Auftrags geht".

Während der Militärintervention in Somalia 1992 wurden erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg wieder deutsche Kampfverbände nach Afrika geschickt, von weiten Teilen der Presse als "neues Afrikakorps" gefeiert.

Inzwischen wurde die Lettow-Vorbeck-Kaserne geschlossen. Die neue Bundeswehr ist zahlenmäßig verkleinert, aber weltweit einsatzbereit. Das Schutztruppendenkmal blieb stehen und bietet reichlich Platz für weitere Gedenktafeln.

Heiko Möhle


Dieser Artikel ist erschienen in: analyse & kritik - Zeitung für linke Debatte und Praxis / Nr. 421 / 17.12.1998

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