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Dokumentation:

"Kurt Bütow, der Führer der deutschen Pfadfinderjugend von Südwest, berichtet über Probleme unserer Kolonialdeutschen"

* Ein Original dieses Artikels befindet sich im Stadtarchiv, C 4/VIII/31/7

Der Alemanne vom 18.06.1935, Nr. 168, Seite ?*

Gespräch mit einem jungen Südwest-Afrikaner

Deutsche Kolonialarbeit im „Sonnenland“

Kurt Bütow, der Führer der deutschen Pfadfinderjugend von Südwest, berichtet über Probleme unserer Kolonialdeutschen

Es ist Oberstleutnant a. D. v. Knecht zu verdanken, daß er der Presse, gleichsam als Nachtrag zur Deutschen Kolonialtagung, einen aufschlußreichen und äußerst wertvollen Einblick in die Probleme vermittelt, vor die die heute in Südwestafrika lebenden Deutschen, insbesondere die dortige deutsche Jugend, gestellt sind, indem er eine Zusammenkunft mit Kurt Bütow, dem Begründer und Führer der deutschen Pfadfinder-Jugend von Südwestafrika, zustande brachte.

Bütow, dessen leidenschaftliche Einsatzbereitschaft für das Deutschtum im „Sonnenland“ schon aus seinen glühenden Worten beim Werbeabend des Reichskolonialbundes am Samstag im Paulussaal offenbar wurde, gab in großen Umrissen ein eindringliches und umfassendes Bild von den hohen kulturpolitischen und wirtschaftlichen Aufgaben, die den in Südwest siedelnden Deutschen gestellt sind, und überzeugte durch seine für seine Jugendlichkeit erstaunliche Sachkenntnis, Erfahrung und den überraschend geschärften Blick, mit dem er die kolonialen Fragen des dortigen Gebietes in ihrer Kernproblematik überschaut und erfasst.

Ausgehend von der Zeitspanne zwischen dem Weltkrieg und der Machtübernahme der nationalsozialistischen Regierung in Deutschland, stellte Bütow den absoluten Leerlauf jeder Aufklärungspropaganda von deutscher Seite während dieser 14 Jahre fest. Da die damaligen deutschen Regierungen die Bedeutung der Kolonialfrage überhaupt nicht erkannten und anerkannten, demgegenüber aber die deutschfeindliche Propaganda aufs Äußerste tätig war, wurden die Deutschen Südwestafrikas von den Vorgängen in ihrer Heimat nur durch den einseitig arbeitenden Telegrammdienst von Reuter unterrichtet und erfuhren deutsche Ereignisse erst 3 bis 4 Wochen später.

Erst die nationalsozialistische Regierung erkannte die Gefahren einer solchen unaktuellen und gefärbten Nachrichtenübermittlung und trat ihr wirksam entgegen mit der Einrichtung des Afrika-Richtstrahlers, dessen kulturpropagandistische Wirksamkeit sich glänzend bewährt.

Hunderte von Kilometern liegen die deutschen Farmen in dem weiträumigen Gelände auseinander und von den wenigen kleinen Städten wie Windhuk oder Swakopmund entfernt, ihre Besitzer mussten im allgemeinen jegliches deutsche Theater und Kino, deutsche Musik und Literatur entbehren – der Afrika-Richtstrahler vermittelt ihnen nun all dies deutsche Kulturgut in reichem Maße und darüber hinaus die ständige unmittelbare Verbundenheit mit der deutschen Heimat. Ueber das tägliche politisch-wirtschaftliche Geschehen in Deutschland und neue Maßnahmen seiner Regierung entstehen nicht mehr die geringsten Zweifel bei der deutschen Bevölkerung von Südwestafrika. Damit ist die gesamte Gegenpropaganda in schlagendster Weise außer Kraft gesetzt.

Die segensreichen Wirkungen dieses Senders können noch vergrößert werden, wenn z. B. die Frauenverbände des Reichskolonialbundes, die schon immer eine rührende Tätigkeit entwickelten und die Kinder- und Schülerheime der Kolonien mit Büchern, Spielsachen und dergleichen bedachten, auch noch die Verbreitung von Volksempfängern fördernd unterstützen.

Die Kolonialdeutschen selber unterlassen selbstverständlich nichts, deutsche Kultur nach Kräften zu pflegen. Wohl dominiert in den Kinos von Südwest der amerikanische Kitsch, weil deutsche Filme mit riesigen Zöllen belegt sind; doch gelang es beispielsweise dem deutschen Konsulat, den Film „Aufbruch einer Nation“ (Zusammenfassung der großen Tage des Jahres 1933: 30. Januar, 21. März, 1. Mai) den Deutschen von Südwest vorzuführen.

Deutsche Turnvereine in Swakopmund und Windhuk führen deutsche Stücke auf. Deutsche Geschäftspropaganda, deutsche Straßennamen beherrschen das Städtebild; überall hört man die deutsche Sprache, selbst vor Gericht kann sie nicht verhindert werden, obwohl Englisch und Afrikanisch die von den Behörden offiziell angeordneten Sprachen sind.

Dieser Umstand wird einleuchtend, wenn man sich über die Zusammensetzung der Bevölkerung von Südwest-Afrika im klaren ist.


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