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DSWA: Zur Lage in Okahandja und im Ovamboland; Ansichten des Hauptmann a. D. Perbandt zum Vorgehen der Herero; Meldungen

Freiburger Zeitung, 26.01.1904 1. Blatt 1. Seite

Der Aufstand in Deutsch-Südwestafrika. Der Kommandant des Habicht meldete am 22. Januar nach Berlin, in Swakopmund sei die Lage unverändert. Der Bahnbetrieb sei infolge starker Regenfälle häufig unterbrochen. Eine andere Meldung aus Swakopmund lautet, dort sei ein Bote aus Okahandja eingetroffen, welcher den Ort am 20. Januar verlassen hat, mit der Meldung, daß die Expedition des Oberleutnants Zülow in Okahandja angekommen sei, und daß dieser Ort vorläufig uneinnehmbar befestigt sei. Von Okasise ab sei die Bahn gänzlich zerstört. Es finden fortwährend harte Züge der Hereros nach Okahandja statt. Die Lage sei ernst, aber vorläufig befriedigend.
Die Abteilung Berlin-Charlottenburg der Kolonialgesellschaft unter dem Vorsitz des Prinzen Arenberg erläßt einen Aufruf zu Sammlungen zu Deutsch-Südwestafrika und hat selbst einen Beitrag gespendet. Außerdem wurden in der Sitzung 1400 Mark gesammelt.
Der Lokalanz. meldet aus Südwestafrika: Auch im Gebiete der Otavi-Minengesellschaft, nördlich des Hererogebietes, besonders in Grootfontein, wo Ovambos wohnen, macht sich eine Gärung bemerkbar. Die Eigentümerin dieses Gebietes, die South-West-African Company, habe das für den Bau der Otavibahn bestimmte Material an Schienen usw. der Regierung zur Verfügung gestellt, die das Anerbieten angenommen habe. … [unleserlich] Windhuk führt als einziger dort weilender … [unleserlich] -ser, der Adjutant des Obersten Leutwein, Oberleutnant Hans Techow, den Oberbefehl. Techow meldete telegraphisch nach Berlin, daß ein Versuch gemacht worden sei, den im Süden des Schutzgebietes befindlichen Oberst Leutwein von dem Hereroaufstand zu unterrichten. Leutwein könne, wenn er zunächst allein zurückeile, vielleicht in wenige Tagen in Windhuk eintreffen.

… [unleserlich] Perbandt, Hauptmann a. D. der kaiserlichen Schutztruppe für Deutsch-Südwestafrika, veröffentlicht in der Tägl. Rundschau seine Meinung über den Herero-Aufstand und sagt u. a.: es ist sogar sehr wahrscheinlich, daß sich die Hereros, wenn sie von der großen Machtentfaltung der Deutschen an der Küste in Swakopmund hören, es vorzuziehen werden, sich nach dem Nordosten, d. h. nach Kalahari und dem Ngami-See, vielleicht aber auch über die deutschen Grenzen hinaus, zurückziehen. Nicht etwa, als wenn ich den Herero in gewöhnlichem Sinne feige nennen wollte, sein Charakter ist in letzter Zeit vielfach durchaus richtig gezeichnet, er ist losgelassen, eine blutdürstige Bestie, aber auch das blutdürstigste Tier zieht sich zurück wenn es entweder seinen Blutdurst befriedigt hat, oder wenn es merkt, daß es nur noch mit Gefahr seines eigenen Lebens weiter blutdürstig sein kann. Ich fürchte, das letztere wird der Herero bald merken. Es liegen jetzt zwei Kriegsschiffe vor Swakopmund, neueste Nachrichten melden, daß auch noch Zuzug von Wehrkraft von Kamerun und Kapstadt zu erwarten ist, anfangs Februar trifft der Ersatztransport von etwa 200 Mann in Swakopmund ein, dann folgen die Darmstadt mit dem Marine- und Eisenbahner-Transport, Ende Januar und anfangs Februar gehen die 500 Mann Schutztruppen-Verstärkung hinaus - so wird also in den nächsten Monaten den Hereros ein fortwährendes Eintreffen von Verstärkungen gemeldet werden, sie werden den entsprechenden Druck bald fühlen und sie werden diesen Druck nicht lange widerstehen, sie werden vorziehen sich, ihr Eigentum und die geraubte Beute in Sicherheit zu bringen, sie werden also nach dem Ngami-See zu entweichen [sic!]. Sie werden dieses tun, nachdem sie ihren Blutdurst in etwas befriedigt haben. Unsere Kulturarbeit dort draußen wird für einige Zeit vernichtet, Menschenleben geopfert, Grausamkeiten verübt sein, aber das wilde Tier, welches alles dieses getan, wird sich dem übermächtigen Vergelter und Rächer nicht stellen, es wird zu entweichen suchen. Ich ziehe daher folgenden Schluß: Um den Aufstand in Südwestafrika niederzuschlagen, ist, nachdem die Verstärkung von 500 Mann Schutztruppen hinausgesandt sein wird, an Truppen uns Kriegsmaterial genügend in der Kolonie. Ich möchte sogar glauben, daß es nicht einmal vorteilhaft wäre, noch mehr hinauszusenden.


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Freiburger Zeitung, 26.01.1904, 1. Blatt 3. Seite

Neuestes und Telegramme. Deutsch-Südwestafrika. Berlin, 24. Januar. Nach einem gestern abend [sic!] hier eingetroffenen Telegramm des Kommandanten des Kanonenboots Habicht hat sich an der bisherigen Lage nichts geändert. Die Bahn bis Karibib ist vorläufig militärisch gesichert, aber seit zwei Tagen durch fortwährenden Regen bei Khan unterbrochen. Gründliche Reparatur ist erst möglich, wenn das Wasser abgelaufen ist. Hinter Karibib ist die Bahn bis Km. 229 wiederhergestellt.


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Freiburger Zeitung, 26.01.1904, 2. Blatt 2. Seite

Badische Rundschau. Rastatt. Oberleutnant Ritter im Inf.-Regiment Nr. 111 ist aus dem Heere ausgeschieden und in der Schutztruppe für Südwestafrika angestellt worden.


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