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Zur Beschwerdeschrift Kameruner Oberhäuptlinge; DSWA. Verluste, Meldungen über Witboi, Kopper, Morenga und Cornelius; keine Unterstützung für überlebende Herero in Betschuanaland

Freiburger Zeitung, Nr. 242, Sonntag, 15.10.1905, 1. Blatt, 1. Seite

Deutsch-Afrika.

Kamerun.

Der Kölnischen Zeitung wird aus Berlin geschrieben, daß der Meldung des Hamburger Fremdenblatts, wonach die Oberhäuptlinge und Häuptlinge von Kamerun eine Beschwerdeschrift gegen das Regierungssystem der Gouverneurs an den Reichstag und an den Reichskanzler gerichtet hätten, ein geringfügiger Vorgang zugrunde liege. Der sog. King Aqua Bell richtete allerdings eine Beschwerdeschrift mit Angriffen gegen die verwaltung von Kamerun an den reichskanzler und Reichstag, unterschrieben von ihm und unterkreuzt von seinen Unterhäuptlingen. Man gab sich auch amtlich Mühe, die beschwerdeschrift dem Gouverneur von Kamerun zur Berichterstattung zu überweisen, aber Aqua Bell hat unter sich, Weiber und Kinder eingerechnet, nur etwa 2000 Dualla-Neger stehen. Der alte trunksüchtige Herr hat bei den Dualla nur noch geringen Einfluß. Die führenden Häuptlinge der Dualla, wie Manga Bell, stehen der Schrift gänzlich fern. Die treibende Kraft der Beschwerdebewegung ist der sich leider in Deutschland aufhaltende Bundo Belle, der zurzeit in Hamburg wegen Betrugs und Zechprellerei verfolgt wird. Nunmehr scheint er dort auch Zeitungspreller gewesen zu sein, was ihm nicht schwer fiel.

Aus Südwest-Afrika.

Ein Telegramm aus Windhuk meldet: Am 4. Oktober ein Reiter an der Wasserstelle von Gobas südwestlich von Keetmannshoop gefallen. Reiter Otto Hoffmann aus Lank, früher Feldartillerie-Regiment Nr. 1, am 5. Oktober auf Patrouille am Kutiprivier leicht verwundet; Sergeant Karl Voß aus Wismar, früher Feldartillerie-Regiment Nr. 60, Schuß in die linke Schulter und in die rechte Wade; Gefreiter Adalbert Kowalewsky aus Skolki, früher im Bezirkskommando zu Hanau, Schuß in die rechte Schulter, und Gefreiter Heinrich Prange aus Darmstadt, früher Infanterie-Regiment Nr. 162, Schuß in die linke Schulter. Am 9. Oktober auf Patroille bei Besondermaid verwundet: Reiter Karl Seeber aus Rohr, früher Infanterie-Regiment Nr. 71, schwer, Knochenschuß im rechten Unterschenkel, und Gefreiter Hermann Boerner aus Ruhrtal, früher Feld-Artillerie-Regiment Nr. 74, leicht, Fleischschuß in den linken Unterschenkel. Gestorben am 9. Oktober im Lazarett zu Swakopmund an Typhus und Darmbluten: Militär- und Krankenwärter Gustav Jung aus Strßburg i. E., früher Infanterie-Regiment Nr. 116.

Durch Erkundung wurden stärkere feindliche Kräfte anscheinend unter Hendrik Witboi und Simon Kopper, östlich von Aubes festgestellt. Major v. Estorff versammelt am 7. Oktober die 1., 2., 6., 7., 8. Kompagnie des Regiments a, die 1/2 5. und 7. und die 8. Batterie in der Linie Persiv-Amadab-Haruchas gegen sie zum Angriff. Morenga und Morris sind aus den Gr. Karrasbergen nach dem Süden abgezogen. Ersterer hatte früher verschiedentlich Verhandlungen wegen seiner Unterwerfung angeknüpft. Jetzt soll er aber erklärt haben, daß er bis zum letzten Mann kämpfen werde. Weiber und Kinder will er auf englisches gebiet nach Pella, etwa 75 Kilometer südöstlich von Warmbad, bringen. Zum Angriff gegen Morenga und Morris ist Oberstleutnant v. Semmern im Vormarsch begriffen und hat mit der 2. Kompagnie des Regiments Nr. 1, der 9., 10., 11. und 12. Kompagnie des Regiments Nr. 2, der 1/2 3. Ersatzkompagnie, der 2. Batterie und mit Maschinengewehren die Linie Amas-Hudap-Dawiguab erreicht. Cornelius hat sich von Morenga und Morris getrennt und ist aus den Großen Karrasbergen in nordwestlicher Richtung an Keetmannshoop vorbei, abgezogen. Er hatte angeblich die Absicht, sich mit Hendrik Witboi zu vereinigen, über dessen Flucht nach Osten er nicht unterrichtet war. Er wird durch eine Abteilung von 70 Mann und einem Geschütz unter Hauptmann v. Lettow von Keetmannshoop aus verfolgt, während die Linie Bethanien Berseba durch einzelne Posten gesperrt wird.

Der Köln. Zeitung wird aus Berlin telegraphiert: Wie wir erfahren, hat der Gouverneur von Transvaal, um den in Südafrika verbreiteten Gerüchten, die nach Betschuanaland übergetretenen Herero erhielten dort Vorräte und Munition, auf den Grund zu gehen, die englische Polizeistation in Lehutitu zum Bericht aufgefordert. In dem Ende August in Johannesburg eingelaufenen Bericht hat der in Betschuanaland stehende Polizeileutnant darauf jede von dort ausgehende Unterstützung der aufständischen Herero nachdrücklich in Abrede gestellt, wovon dem deutschen Konsul in Kapstadt amtlich Meldung gemacht wurde.


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